Interview mit der Sommelière Verena Herzog „Es ist wichtig, nicht nur Sommelier, sondern auch Gastgeber zu sein!“

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Heute hatte ich im Namen von Uvinum das große Vergnügen, ein Gespräch mit der äußerst sympatischen, authentisch wirkenden und vor Fachkenntnis sprühenden Sommelière Verena Herzog zu führen, deren Leistung nicht nur professionelle Weinberatung, Weinmoderation, Schulungen und Seminare umfasst, sondern die zudem als Beirätin im Vorstand der Sommelier Union Deutschland e.V. aktiv ist. 

Legen wir am besten gleich los. Was hat Sie persönlich dazu bewegt, sich für die Weinwelt zu interessieren?

 

Da ist der Zufall auf mich zugekommen. Ich habe meine Lehre als Hotelfachfrau angefangen und mich vom ersten Tag an in den Wein verliebt. Er ist einfach zu mir gekommen, ich war quasi über Nacht infiziert.

(Zu erwähnen ist, dass Verena Herzog aus einer Gegend kommt, in der es keinen Weinbau gibt, sondern eher auf Bier zurückgegriffen wird)

Für Sie ist Wein…

ein Lebensgefühl! 

Wer war/ ist schon immer Ihr Vorbild (gewesen)?

Ich habe in dem Sinne keine Vorbilder, weil ich mich mit den Großen nicht wirklich auseinandergesetzt, sondern mich vielmehr gefragt habe, wie ich in das Bild passe und meinen Weg finden kann. Anfänglich habe ich mir sehr viel selbst erarbeitet. Ich könnte bei dieser Gelegenheit Michael Fell danken, einem ehemaligen Chef von mir, der mir die Sommelier-Ausbildung finanziert hat. Größte Hochachtung habe ich vor allem vor den Sommeliers, die schon jahrelang in der Gastronomie arbeiten und täglich ihm Restaurant ihre Gäste betreuen, wie beispielsweise Stéphane Gass aus dem drei Sterne Restaurant Schwarzwaldstube im Hotel Traube in Tonbach. Aber ich habe immer eher versucht, mein eigenes Ding zu machen.

Was macht denn Ihrer Meinung nach einen guten Sommelier aus?

Als guter Sommelier ist es essentiell, Einfühlungsvermögen für den Gast zu zeigen und das Vermögen zu haben, herauszufinden, was dem Gast mundet, da Geschmack letztendlich immer subjektiv ist. Es geht darum, den Gast aus sich herauszulocken, ihn zu überraschen, in eine andere Welt zu führen und Kontrapunkte oder Harmonien zu den Speisen zu finden. Sehr wichtig ist außerdem, nicht nur Sommelier, sondern gleichzeitig auch Gastgeber zu sein. Ein guter Sommelier muss Begeisterung, Offenheit und Leidenschaft mitbringen und im Hintergrund gleichzeitig stets den wirtschaftlichen Aspekt präsent haben. 

REISEBERICHT RIAS BAIXAS:

Was war für Sie die beeindruckenste Erfahrung während Ihrer ersten Reise durch Rías Baixas?

Ich fand den Charakter der Landschaft, die Reberziehung, die Kleinparzelligkeit der Weinberge und das Ursprüngliche dieser Region unheimlich beeindruckend. Kleine Weinberge, die noch privat geführt werden und die grüne, satte, reichhaltige und absolut abwechslungsreiche Natur. Rías Baixas hatte für mich noch etwas unberührtes, sehr eigenständiges, was mich sehr fasziniert hat.

Wie viele Weingüter haben Sie besucht & welches ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Wir haben insgesamt 7 Weingüter besucht und im Grunde genommen ist mir das erste Weingut Fefiñanes aufgrund der Klarheit der Weine, deren Mineralität und Salzigkeit besonders in Erinnerung geblieben. Aber auch Granbazán, das stilistisch etwas anders aufgestellt war, da die Weine etwas stoffiger und breiter wirkten, ohne dabei „fett“ zu sein. Sie wiesen nicht die gleiche Leichtigkeit und Frische auf, sondern waren etwas gesetzter, was ich jedoch auch ganz toll fand. Bei den Besuchen von Betrieben unterschiedlichster Strukturen hat mich auch die für dortige Verhältnisse große Kellerei Martin Códax begeistert, da es eine Meisterleistung ist, eine Erntemenge von ca. 500 ha aus 2.400 Parzellen zu kontrollieren und dabei derart saubere, präsize Weine herzustellen. Gerade dort war es eine sensationelle Erfahrung, die Weine von so unterschiedlichen Qualitätsniveaus zu verkosten.

Was zeichnet das Weinanbaugebiet Rías Baixas, Ihrer persönlichen Meinung nach, besonders aus?

Wenn man sich ein Stichwort heraussucht, dann ist dies sicher der Albariño, eine Rebsorte mit fruchtigen und manchmal auch leicht herben Noten, knackiger Säure und in ihren besten Beispielen einer gewissen Salzigkeit. Es handelt sich dabei um Weine, die etwas mundwässerndes haben und die ich unheimlich gerne mag. Mich begeistert die Frische und Fruchtigkeit, sowie die Säure des Albariño, die wir hier in Deutschland vom Riesling kennen, wobei ich die beiden Rebsorten nicht unbedingt miteinander vergleichen würde, da sie aromatisch in andere Richtungen gehen.

WEIN & INTERNET:

Ein Ziel von Uvinum besteht darin, das Wissen über Wein in der Allgemeinheit zu verbreiten. Sind Sie der Meinung, dass es sich in Deutschland noch immer um ein sehr eingeschränktes Publikum handelt, das sich für Wein interessiert?

Ich bin freiberufliche Sommelière und arbeite nun bereits seit 11 Jahren im Schulungsbereich und das nicht nur für Profis, sondern auch sehr viel für Endverbraucher. Der Wissensdurst nach Wein ist ungebrochen und was ich in vor allem in den letzten Jahren beobachten konnte, war, dass mittlerweile auch sehr viele junge Leute im Publikum sitzen. Während ich Wein in der Zeit meiner Lehre noch mit Professoren, Rechtsanwälten und ‚älteren Herren‘ verband, stelle ich jetzt fest, dass Wein ein ganz junges Thema geworden ist, vor allem auch im Zusammenhang mit Ernährung, ökologischem und biodynamischen Weinbau. Man merkt, dass ein großer Wissensdurst vorhanden ist, der sich durch alle Weinbereiche zieht, sei es bei einer Bioweinverkostung in Köln, auf welcher sich junges, abgedrehtes, gar freakiges Publikum für das Produkt interessiert oder bei der in der Regel eher ältere Klientel in der höheren Preiskategorie.

Wie viele Schulungen geben Sie pro Jahr ungefähr?

Schwierig zu sagen, aber ich schätze zwischen 100 und 120, wobei ein Drittel der Schulungen an Endverbraucher gerichtet sind.

Wenn Sie an Wein und Internet denken, was kommt Ihnen dann in den Sinn?

Wein und Internet funktioniert zwar, ich selbst muss jedoch sagen, dass Wein für mich ein sehr emotionales Produkt ist, das im Besten Fall ein Geschichte zu erzählen hat. Da ich mich in einer Weinwelt bewege, die sich mehr mit dem Produkt auseinandersetzt, ist es für mich wichtig, einen Charakterwein mit Herkunft zu trinken und deshalb würde ich persönlich meinen Wein nur beim Fachhandel kaufen. Was für mich unbezahlbar ist, ist die persönliche Beratung. Wenn man jedoch Wein im Internet bestellt und es dann jemanden gibt, den man persönlich ansprechen kann, dann stellt dies sicherlich ein Mehrwert für den Kunden dar.

Was könnte Konsumenten in dem Vertriebskanal des Online-Verkaufs, der in Deutschland bereits ziemlich ausgeschöpft ist, attraktiv erscheinen?

Da das Internet für mich nicht die bevorzugte Einkaufsquelle ist und ich mich mit diesem Segment bisher nicht beschäftigt habe, kann ich Ihnen hierzu auf Anhieb keine weiterführende Idee geben. Ich weiß jedoch, dass der Konkurrenzkampf im Internet riesig ist und es äußerst schwer sein muss, sich von den hunderten von verschiedenen Anbietern abzuheben. Was ich jedoch gut finde und was meiner Erfahrung nach die Leute immer anzieht, sind persönliche Begegnungen wie beispielsweise bei einer Live-Verkostung, damit den Kunden die Möglichkeit gegeben wird, die Angestellten kennenzulernen und eine persönliche Beratung zu erfahren.

Wenn Sie nun an einen Traum denken….

Ich träume eigentlich nur davon, gesund zu sein. Gesundheit ist das Größte. was das Leben mir geben kann und alles andere ergibt sich daraus. Ich bin in der Hinsicht ganz bescheiden.

Zum Abschluss…. welchen Wein würden Sie allen Uviners empfehlen?

Meinen Lieblingswein… ich könnte Ihnen sagen, welche meine Lieblingsrebsorten sind: im weißen Bereich die Riesling und im roten Bereich die Pinot Noir. Ohne sie hätte ich sicher nicht so viel Spaß am Leben!

  

 TAGS:Martín Códax 2013Martín Códax 2013

In der Nase florale Noten (Mimose und Jasmin), gepaart mit einem Hauch von Grapefruit und Apfel.

 

 

 TAGS:Contrapunto 2014Contrapunto 2014

Lebendige Säure, sehr erfrischend und langanhaltend.

 

 

 TAGS:Granbazán Ámbar 2014Granbazán Ámbar 2014

Pionier auf dem Gebiet der modernen Albariño-Erzeugung.

 

 

 TAGS:Albariño de Fefiñanes 2014Albariño de Fefiñanes 2014

Passt hervorragend zu Hummer, Ofenfisch und orientalischer Küche.

 

 

 TAGS:Martín Códax Lías 2014Martín Códax Lías 2014

Laut der AEPEV, der beste junge Weißwein Spaniens!

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